Sonntag, 15. November 2015

Steven Wilson - Rockhal Luxemburg 25.09.2015



Bild unter CC Lizenz CC BY-SA 1.0
Fotograf: Cornischong
Quelle: Wikipedia

Konzertort: Rockhal (Club), Esch-Sur Alzette, Luxemburg
Webseite Rockhal
Datum: 25.09.2015 / 20:30 Uhr

Besetzung
Steven Wilson – Gesang, Gitarre, Keyboards
Nick Beggs – Bass
Adam Holzman – Keyboards, Piano
Craig Blundell – Schlagzeug
Dave Kilminster – Gitarre

Setliste
Intro: Bass Communion – Cenotaph
No Twilight within the Courts of the Sun
Hand cannot erase
Perfect Life
Home Invasion
Regret #9
Don´t hate me
Index
Shesmovedon
My Book of Regrets
Ancestral
Happy returns
Ascendant here on

Zugabe 1
Dark Matter
Sleep together

Zugabe 2
Open Car
the Sound of Muzak

Zum zweiten male in diesem Jahr besuchte Steven Wilson zusammen mit seiner Band im Rahmen seiner großen Welttournee die Rockhal in Luxemburg. Bereits bei den Terminen vor diesem Konzert fiel auf das Steven Wilson kräftig an der Setliste rumschraubt, Songs rauswirft und wieder rein nimmt oder auch komplett neue dazu holt. Die Frage im Vorfeld lautete also: Was erwartet den Zuschauer an diesem Freitag im kleinen Club der Rockhal ?

Die Rockhal in Esch-Sur Alzette ist eine ziemlich neue Konzerthalle, eröffnet wurde sie im Jahre 2005. Sie befindet sich in einem ehemaligen Industriegelände, welches zu einem neuen Gewerbepark umgebaut wurde (bzw immer noch wird). Die Fahrt dorthin war unkompliziert aber auch durch den Freitagabend Feierabendverkehr etwas langwierig (Staus sind eben unsexy). Einlass in die Halle sollte um 19:30 Uhr (für die Early Entrance Karten) bzw 20:00 Uhr (normale Konzertkarten) sein. Vor der Halle waren auch zwei Eingänge für die beiden Kartentypen ausgewiesen.

Diese „Early Entrance“ Karten – die selbstverständlich mehr kosten – erwiesen sich im Nachhinein als Augenwischerei und ich war froh diese Mehrkosten nicht investiert zu haben. Man kam zwar früher rein, da ich aber in der regulären Schlange ziemlich weit vorne stand hatte ich ebenfalls das Glück später im Saal ganz vorne an der Bühne zu stehen (genauer: in der zweiten Reihe). Manchmal zahlt es sich eben aus immer etwas früher als man muß anwesend zu sein.

Der Saal füllte sich langsam, da es mit einigen Karten Probleme mit dem Strichcode gab (auch mit meinen bei Eventim gekauften Tickets gab es Probleme). Zum Konzertbeginn war der Saal gut gefüllt aber nicht ausverkauft, man hatte genug Raum um bequem zu stehen ohne an den Nachbarn gequetscht zu werden. Ein Blick in die Menge offenbarte das recht hohe Durchschnittsalter: Junge Leute waren in der Minderheit, es regierte eindeutig ein Publikum von 40+ Jahren. Ebenfalls auffällig war der hohe Männeranteil, den ich auf so circa 75% schätzen würde, viele Frauen wirkten auf mich etwas fehl am Platze – ich vermute mal das da einige nur ihrem Partner zuliebe mitgekommen waren.

Um circa 20:20 Uhr wurde das reguläre Saallicht dunkel und aus den Boxen kam der Track „Cenotaph“ von Wilsons Bass Communion Projekt. Als dann nach einigen Minuten auf der großen Leinwand ein Film startete, auf den durch ein Fenster eine Strandszenerie zu sehen war wo sich ganz....ganz....langsam ein schwarzes Etwas auf die Kamera zubewegt dämmerte mir das wir diesmal nicht ein reguläres „Hand. Cannot.Erase.“ Konzert bekommen würden. Als „Cenotaph“ endete betrat zuerst Schlagzeuger Craig Blundell die Bühne, gefolgt von Bassist Nick Beggs die den ersten Song des Abends „No Twilight within the Courts of the Sun“ anstimmten. Nach und nach kamen dann noch Adam Holzman, Dave Kilminster und zuletzt Steven Wilson selber (selbstverständlich Barfuß) auf die Bühne die dann lautstark in den Song miteinstiegen. Mit so einen sperrigen und gar nicht geradlinigen Song ein Konzert zu beginnen ist jedenfalls ziemlich mutig.

Nach diesem Einstieg erklärte ein ziemlich gut gelaunter Steven Wilson das er aufgrund der Tatsache, erst vor einigen Monaten hier schon einmal gespielt zu haben, diesmal nicht das gleiche Konzert wiederholen möchte sondern an diesem Abend für die beiden Royal Albert Hall Konzerte in London „üben“ würde – um Scherzhaft sich im Vorfeld zu entschuldigen wenn nicht alles perfekt laufen würde, da man eben „üben“ würde. Nach diesem Einstieg folgte ein größerer Block mit Songs aus dem Album „Hand cannot. Erase.“.

Das im laufe des Konzertes vom üblichen Programm abgewichen wurde macht sich dann dahingehend bemerkbar das die große Videoleinwand auf der Bühne die meiste Zeit Sendepause hatte, schlichtweg da es für viele Songs keine passende Filme gab. So mußte die recht bescheidene aber Stimmungsvolle Lightshow (hauptsächlich Blau- und Violettöne) helfen dieses Manko auszugleichen.

Wilson selber erwies sich als Unterhaltsamer Gastgeber, er erzählte öfters kleinere Geschichten und zeigte sich auch recht Schlagfertig. Als er sagte das er nun einen älteren Song aus den 90igern spielen würde rief einer im Saal „Radioactive Toy“, worauf Wilson schmunzelnd „No – a good one“ antwortete um dann „Don´t hate me“ anzukündigen. Nick Beggs bezeichnete er bei der Musikervorstellung als „Mr Sex on Legs“ und am Ende der Show zog er genüsslich über „stupid heavy rock riffs“ her, nur um dann grinsend hinzuzufügen das er jetzt auch so einen Song (nämlich „Open car“) spielen würde.

Auffällig ist aber das sich mittlerweile immer mehr Porcupine Tree Songs in die Setliste schleichen, bei diesem Konzert sechs an der Zahl. Ein Zeichen dafür das dieses Bandprojekt doch zu den Akten gelegt wurde ? Klar – Steven Wilson ist und war Porcupine Tree, aber trotzdem fühlte es sich etwas falsch an obwohl es schön war auch diese Songs zu hören.

Thema Songauswahl: Hier ist es wirklich interessanter zu sehen was nicht gespielt wurde. Kein „Drive Home“, kein „Luminol“, kein „the Watchmaker“, kein „Routine“ (was ich persönlich sehr schade fand, da ich gerne den dazugehörigen Film von Jess Cope gesehen hätte), kein „the Raven refused to sing“, kein „Harmony Korine“ und kein „Deform to form a Star“ - alle offensichtlichen Hits sind nicht in der Setliste. Dafür aber ein ganz neuer Song: „My Book of Regrets“, der im Januar 2016 in Form einer EP erscheinen soll. Der rund zehnminütige Song ist ziemlich rockig und hat mächtig Dampf, mehr kann ich dazu noch nicht sagen da eben erstmalig (und auch einmalig) an diesem Abend gehört.

Um 23:00 Uhr ist das Konzert nach zwei Zugabenteilen (darunter einer hinter einem durchsichtigen Vorhang) zu Ende. Alle fünf Musiker haben perfekt miteinander gespielt und es machte Spaß ihnen zuzuhören, es wirkte alles sehr routiniert und perfekt. Besonders hervorheben möchte ich Schlagzeuger Craig Blundell – der Mann ist richtig gut an seinem Instrument. Und selbstverständlich ist es immer wieder lustig mitanzusehen wie sich Steven Wilson an seiner eigenen Musik berauschen kann.

Doch leider gibt es etwas zu kritisieren. Nein – nicht die Songauswahl sondern der ultramiese Sound an diesem Abend. Zum einen war es insgesamt viel zu laut für die kleine Halle, zum anderen war die Gitarre von Dave Kilminster im Gesamtbild viel zu dominant und übertönte sowohl den Bass von Nick Beggs als auch den Gesang von Wilson und öfters auch die Keyboards von Adam Holzman. Gegen Ende des Konzertes wurde es dann noch schlimmer als bei „Sleep together“ die Gitarre so laut und verzerrt hoch gedreht wurde das man nur noch schrägen Krach gehört hat. Sorry – für einen Musiker wie Steven Wilson, für den perfekter Klang ein Markenzeichen ist war das an diesem Abend ein Armutszeugnis !

Mit Rauschen in den Ohren und wehen Füßen (es war ein Stehkonzert – ich bin wohl doch zu alt für so einen Scheiß) lies ich noch über 50 Euro am Merchandisingstand (ich habe mir tatsächlich ein Tour T-Shirt gekauft - dazu noch ein Programmheft und eine CD von Adam Holzman) um dann die Heimreise anzutreten.
Der miese Sound zieht die Wertung runter – leider, denn es war wirklich ein sehr gutes Konzert.
7/10

PS: Ich HASSE Typen die die ganze Zeit mit Ihrem Handy Bilder vom Konzert machen müßen ! Diese Unsitte ist wirklich nervend ohne Ende (weswegen ich auch keine Konzertbilder habe).
ABER
Gitarrist Dave Kilminster hat am Ende der Show ein Foto von uns allen in der Halle gemacht und dieses auf Facebook gepostet....und...nun ja...ich bin auch in voller Lebensgröße darauf zu sehen.
Dave Kilminster auf Facebook
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Erstveröffentlichung des Textes auf Liquid Love und bei DVD Narr