Freitag, 29. Januar 2016

Hörspiel: Bastian Pastewka und Komplizen in "Paul Temple und der Fall Gregory" von Francis Durbridge


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Für unsere Eltern und Großeltern war der britische Krimiautor Francis Durbridge der Held im Deutschland zur Wirtschaftswunderzeit. Die Mehrteiligen TV-Krimis die im Fernsehen liefen und auf seinen Romanen beruhten waren sogenannte "Straßenfeger", bis heute noch hält der aus dem Jahre 1962 6-teilige Krimi "Das Halstuch" mit einer Einschaltquote von sagenhaften 89% den einsamen Rekord mit der höchsten Einschaltquote (wobei man fairerweise sagen muß das es damals nur zwei Fernsehprogramme gab die zudem nur Stundenweise gesendet haben). Das Wort "Durbridge Krimi" war so was wie ein Gütesiegel, in den 1970iger Jahren ebnete die Begeisterung allerdings etwas ab.

Was viele nicht wissen: Francis Durbridge war nicht von Anfang an Romanautor, seine Wurzeln liegen vielmehr im Radiohörspiel. In den 1930iger Jahren fing er bei der britischen BBC an und entwickelte dort die Hörspielreihe um den fiktiven Romanschriftsteller und Hobbydetectiv Paul Temple und seiner Frau Steve (kein Fehler - die Frau hat tatsächlich einen Männernamen). 1938 sendete die BBC den ersten Paul Temple Krimi "Paul Tempel und der Fall Gregory", weitere sollten folgen. Nach Deutschland kam die Krimireihe - politisch bedingt - etwas später. Im Jahre 1949 sendete der NWDR die Deutsche Version von Paul Temple und landete im Nachkriegsdeutschland einen Hörfunkhit. Zu einer Zeit wo Deutschland in Trümmern lag, die BRD gerade frisch gegründet war und es kein Fernsehen gab und das Geld für Theater und Kinobesuche etwas knapp war waren Radiohörspiele eine beliebte Ablenkung am Abend, denn ein Radio hatte faktisch jeder. Auch der NWDR (später nach der Auftrennung zu NDR und WDR der WDR alleine) produzierte mehrere Folgen der Hörspielreihe die fast alle mittlerweile auch auf CD erhältlich sind.

Warum "fast alle" ? Nun, das erste Abenteuer "Der Fall Gregory" ist leider verschollen, das Band mit der Produktion ist nicht mehr auffindbar (es wurde wohl entweder gelöscht oder zerstört) und auch das original Sendemanuskript ist zu Teilen vernichtet worden. Auch bei der BBC ist es nicht besser, da wurde ebenfalls das Band gelöscht und das Manuskript weggeworfen. Lediglich eine Version des Norwegischen Radios ist erhalten geblieben die für die Rekonstruktion zusammen mit den erhaltenen Teilen des Originalmansukriptes herangezogen wurde.

Auftritt Bastian Pastewka: Der bekennde Hörspiel- und Durbridge Fan war sofort dabei als es hieß dem verschollenen Hörspielklassiker neues Leben einzuhauchen. Wer jetzt eine Humoristische Annäherung an das Thema erwartet liegt etwas falsch, denn Pastewka ist die Sache Ernst und mit eben diesem gehen er und seine "Komplizen" (Inga Busch, Janina Sachau, Alexis Kara, Kai-Magnus Sting) an diese Aufgabe ran - und genau darin wiederum liegt der Humor. Denn in den Frühtagen des Radiohörspiel lagen die Parameter einer Inszenierung etwas anders als heute. So gibt es billig klingende Soundeffekte (das Motorengeräusch eines Autos ist z.B. Mundgemacht) und wenn sich Paul und Steve mit großem Pathos Liebesschwüre entgegenhauchen hat das schon einen unfreiwilligen Humor. Zu allem Überfluß wird dann mittendrin noch ein nettes Schlagerliedchen geträllert - ja so waren die alten Zeiten der Radiounterhaltung im jungen Deutschland.

Damit das ganze nicht zu Ernst wird gibt es immer wieder Unterbrechungen wo Pastewka mit seinen Mitstreitern Grundsatzdiskussionen über die Art des Hörspiels führt - wobei man sich irgendwann fragt ob der Ernst der Sache den Pastewka hier offen zur Schau trägt nun gespielt ist oder ob er das wirklich so meint. Witzig ist auf jeden Fall die eingebaute Michael Bay mäßige Actionszene die natürlich von Pastewka umgehend gestoppt wird.

"Paul Temple und der Fall Gregory" mag sicherlich nicht so lustig sein wie manch einer erwarten würde (wobei Humor eh so eine persönliche Geschmacksfrage ist) aber es ist lockere witzige Unterhaltung über die Anfangstage der Radiounterhaltung. Das man der komplizierten Handlung kaum folgen kann spielt dabei überhaupt keine Rolle - der Weg ist das Ziel, wie man so schön sagt.

Der WDR bietet das zweiteilige Hörspiel kostenlos auf seiner Webseite an. Wer sich jedoch sagt Was nix kostet ist nix der kann auch im Buchhandel seines Vertrauens die CD Fassung vom Hörverlag kaufen - jeder wie er mag.

Von Francis Durbridge
Produktion: WDR/SWR 2014
Regie: Leonhard Koppelmann
Redaktion: Martina Müller-Wallraf

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