Samstag, 23. April 2016

The Entire Prince in One Hour


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Am Donnerstag den 21.04.2016 verstarb der Musiker Prince - als ich von dieser Meldung gegen Abend erfuhr wollte ich zuerst auch ein paar Zeilen hier in meinem Blog schreiben, nahm aber dann Abstand davon...einfach weil bei solchen traurigen Ereignissen in den üblichen Sozialen Kanälen es schon fast einen unausgeschriebenen Wettbewerb gibt, wer die größte beste öffentliche Trauerbekundung macht und da wollte ich ursprünglich nicht mitmachen. Aber es ist wie es ist, sein Tod beschäftigte mich dann doch mehr als ich wollte. Wohl auch weil er - wie für viele meiner Generation - den Soundtrack der Jugend mitgeprägt hat.

Damals in den 80igern mußte man sich nämlich entscheiden - bist Du nun Michael Jackson Fan oder Fan von Prince ? Beides ging nämlich nicht. Das war wie bei unseren Eltern, die mußten sich auch entscheiden ob man Fan der Beatles oder der Rolling Stones war. Michael Jackson war nie so mein Fall (auch wenn ich ihn als Inovator anerkenne), der sang immer vom Frieden, das sich alle lieb haben sollten und tanzte mit Kindern im Kreis ins Märchenland. Wenn er dann auf Straße machte wie in "Bad" dann wirkte das imo ziemlich aufgesetzt - nicht meine Welt. Prince war da anders, der war dirty, da war Funk und da war Sex - obwohl man als Jugendlicher damals kaum die Texte richtig verstand, man merkte einfach um was es bei ihm ging.

Die 80iger waren seine kreative Zeit, im Jahresturnus brachte er neue Alben raus die immer zumindestens "gut" waren, meist aber sogar besser als gut. Er wechselte jedesmal Sound und Stil und auch das Optische Konzept. Er war nie langweilig und er war kreativ. Leider kam er dann als die 90iger kamen etwas ins strudeln, was auch an seinem öffentlichen Knatsch mit seiner Plattenfirma Warner lag. Auf einmal war er nicht mehr Prince sondern ein Symbol - man lachte damals über ihn, fand diese Aktion Kindisch. Rückblickend muß man sagen das er durchaus eine wichtige Frage zum Thema Künstlerechte in den Raum warf, nur war er da seiner Zeit etwas voraus.

Er wechselte schließlich die Plattenfirmen wie andere die Unterhose und wurde Musikalisch leider etwas unbedeutend, was auch an den teilweise sehr durchschnittlichen Platten lag. Einen großen Hit hatte er dann doch noch in dieser Zeit - "the most beautiful Girl in the World", der meiner Meinung nach kitschigste Song den Prince je gemacht hat. Mit dem aufkommen des Internets war er dann schon wieder seiner Zeit voraus und vertrieb sich selber. Er entwickelte sogar ein Abomodell, ähnlich dem was der Londoner Fabric Club seit vielen Jahren mit seinen Mix CDs anbietet. Doch ein kreativer Musiker muß nicht zwingend ein guter Geschäftsman sein, das ganze Projekt funktionierte nicht. Damals lachte man auch über seine Aussage das man Majorplattenfirmen nicht brauche...heute wissen wir das er da durchaus Recht hatte.

In den letzten Jahren war er dann einfach da, zwar jetzt nicht mit Hits aber er war da. Sein Kampf gegen YouTube und Konsorten wurde zu Anfang auch eher belächelt, aber auch hier ging er früh auf das Thema Künstlerrechte im Netz ein (ebenfalls ein Thema was immer noch aktuell ist), so das all seine Musikvideos eben nicht verfügbar sind.
Und nun ist er tot, man kann es irgendwie immer noch nicht glauben. Kann, ja darf so einer wie Prince überhaupt sterben ? Ja, er kann...leider !

Seine alten CDs werden sich jetzt wieder richtig gut verkaufen, nächste Woche kommt sogar ein neues Album von ihm raus das sicherlich ganz nach oben in die Charts gehen wird. In den nächsten Jahren werden die Geier sein angeblich riesiges Archiv plündern und all die unveröffentlichen Songs rausbringen die da lagern.

Warum ich all das schreibe ? Weil gestern abend WDR3 kurzfristig sein Radioprogramm geändert hat und die Soundcollage "The Entire Prince in One Hour" sendete, die 1996 entstanden ist. Alexander Schuhmacher bastelte aus 280 Songs, die Prince von 1978 bis 1996 veröffentlicht hat eine knapp Einstündige Musikcollage zusammen. Über die Qualität des ganzen läßt sich streiten, Prince hätte sie sicherlich weniger gefallen. Aber es ist origineller als zum x-ten male "Purple Rain" zu posten. Dieser wilde Ritt durch den Backkatalog zeigt zumindestens Ansatzweise was für eine kreative Kraft Prince war.

Wie lange der WDR diese Soundreise im Netz stehen läßt kann ich nicht sagen, ein Download ist selbstverständlich nicht direkt möglich....vermutlich haben die meisten von diesem Teil eh nix mitbekommen. Wer es sich mal anhören will der schaue hier mal vorbei.
Und wer einen Tip von mir will - kauft alle Alben von "1999" bis hin zu "Diamonds and Pearls", dann habt ihr Prince in all seiner kreativen Pracht und besser als irgendeine doofe Best-of Sammlung wo nur die Hits drauf sind ist es auch (ich mag Best-of Sammlungen nicht besonders).

RIP Prince und Danke für die Musik.

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